In der neuen Ausgabe der Stiftung Warentest wurden Jeans-Hosen getestet – einerseits die Qualität, andererseits die CSR-Bemühungen der Unternehmen. Soweit löblich, dass nicht nur die Warenqualität, sondern auch die Unternehmensphilosophie in Sachen Nachhaltigkeit näher beleuchtet werden. Schlecht aber, wenn die Verfasser des Tests sich nicht ausreichend informieren und zu mit ihren Ergebnissen und Empfehlungen völlig falsche Signale wenden, letztlich Bio-Bashing betreiben, und den Ökohassern in die Karten spielen. Wenn am Ende das Ergebnis der CSR-Prüfung lautet, dass H&M und Zara, und nicht Ökopioniere wie Kuyichi und nudie, am „besten da stehen“, so ist das leider mehr als ärgerlich und verfälscht die Wahrheit in hohem Maße.

Kuyichi schneidet besonders schlecht ab, weil sie schlicht und ergreifend auf die Anfrage von Stiftung Warentest nicht reagiert haben. Das ist natürlich schlechte PR-Arbeit von Kuyichi, trotzdem sollte eine Nicht-Reaktion nicht zwangsläufig zu einer solchen Wertung führen. Kritisiert wurde auch das Tracking-System von Kuyichi, dass nicht ordentlich funktioniert – entschuldigung, aber dieser Versuch eines solchen Systems ist doch lobenswert und besser als überhaupt keine Bemühungen in diese Richtung zu unternehmen. Zumal das Trackingsystem soweit ich weiß von der Organisation „made-by“ technisch realisiert wird. In dem Zusammenhang wird dann auch Greenality kritisiert, doch wer wie ich die Leute von Greenality persönlich kennt, der weiß dass man kaum ein Unternehmen findet, dass konsequenter ein umfassendes nachhaltiges Konzept verfolgt wie eben dieses. nudie wird z.B. quasi unterstellt, sich auf dem GOTS (Global organic textile standard)-Label „auszuruhen“. Entschuldigung noch einmal, aber das ist umfassendste und beste Siegel zur Zeit in diesem Bereich. Zumal nudie auch Mitglied der „Fair Wear Foundation“ ist, was ärgerlicherweise unterschlagen wurde.

Nochmal: Es ist ist leider nicht dienlich, wenn ein Unternehmen wie Kuyichi es nicht (rechtzeitig) schafft, solche Anfragen zu beantworten, und gerade dieses Unternehmen wurde in den letzten Monaten aus den Reihen der Eco Fashion Experten durchaus für seine mangelnde Transparenz kritisiert. Aber das Fazit, dass die Stiftung Warentest zieht, setzt ein völlig falsches Signal. Kuyichi und nudie sind die einzigen Labels in dem Test, die zu 100% Bio-Baumw0lle einsetzen – allein dies ist ein wichtiger Faktor für Umwelt und Mensch. Beide Firmen gehen aber in ihren Bemühungen weit darüber hinaus, zeigen mit der Zahlung von fairen Löhnen und dem Verzicht auf giftige Färbungen oder Sandstrahlungen große Schritte in die richtige Richtung, während die „Testsieger“ H&M und Zara davon immens weit entfernt sind.

Es ist schon beinah ein Hohn, wenn die Autoren dann bei nudie lediglich „Ansätze“ erkennen wollen. Das wahre Bild wird hier völlig verzerrt, und darüber kann ich mich dann schon ärgern. Auch Öko-Hersteller dürfen kritisiert werden, keine Frage, und es gibt sicherlich bei den hier genannten beiden Unternehmen Optimierungsbedarf. Doch darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese beiden in ihren Bemühungen um eine nachhaltigere Produktion mit den Faktoren Mensch und Umwelt solchen Riesen wie H&M und Zara Lichtjahre voraus sind. Schade, dass die Autoren des Tests nicht besser informiert und objektiver berichtet haben, und so ein völlig falsches Signal setzen. Ich hoffe ihr lasst euch von diesem schlechten Bericht nicht täuschen, und kauft weiterhin Ökomode. Bis zu 10.000 Menschen sterben jährlich alleine schon an den direkten Belastungen durch Pestizide beim Baumwollanbau, hunderttausende schuften in Fabriken in Bangladesh und woanders für Hungerlöhne, damit der Testsieger des anderen Tests (Qualität der Jeans), dann für 26 Euro zu haben ist. Das ist eine Perversion, die ich nicht unterstützen werde. Und ihr hoffentlich auch nicht.

Gute Stellungnahmen sowie viele weitere wertvolle Informationen zum Thema Ökomode findet ihr bei den Fachleuten Kirsten Brodde und den Korrekten Klamotten.