Schon mal überlegt, was deine Bank oder deine Versicherung mit deinem Geld macht? Vielleicht wird dein Riesterrentenerspartes gerade in Waffen angelegt? Die Deutsche Bank ist einer der Top-Anleger in Sachen Atomkraft. Und so weiter, und so weiter, da gäbe es viele Beispiele, wie Banken und Versicherungen das ihnen anvertraute Geld in Geschäften anlegt, die man doch eigentlich niemals unterstützen möchte – genau dies aber unbewusst dann doch indirekt zumindest tut. Seit einigen Jahren erfahren daher nachhaltige Geldanlagen einen großen Aufschwung, auch wenn man hier ganz genau hinsehen muss bzw. einen Profiberater braucht, denn ähnlich wie beim Thema Ökostrom gibt es auch hier den einen oder anderen Blender. Nichtsdestotrotz: Grüne Geldanlagen sind keineswegs renditeärmer als konventionelle, und entsprechende Fonds beinhalten z.B. Solar- oder Windtechnikerzeuger, Elektromobilitätsfirmen, Naturkosmetikunternehmen oder auch Fahrradhersteller wie Shimano. Auch Krankenversicherungen wie die BKK Advita legen hohen Wert auf Ökologie und soziale Verantwortung, Banken wie die GLS Bank, die Triodos Bank oder die Ethikbank bieten u.a. „grüne“ Girokonten. Eine gute Anlaufstelle zum Themeneinstieg im Internet bietet z.B. das Portal Grünes Geld 24.

Gleichzeitig ist aber kaum ein Thema so undurchsichtig – und wer beschäftigt sich schon gerne damit? In der Konsequenz gibt es immer mehr unabhängige Berater, die sich auf nachhaltige Finanzen spezialisiert haben. Einer von Ihnen ist der Berliner Cordt Würdemann. Er ist Diplomkaufmann und seit 2005 unabhängiger Finanzberater. Er steht z.B. regelmäßig auf dem Biomarkt am Kollwitzplatz. Im folgenden einige Fragen an den Berliner Experten für nachhaltige Geldanlagen und Versicherungen:

Was beinhaltet dein Beratungsangebot? Ich biete eine individuelle und ganzheitliche Finanzberatung, die an ethischen und ökologischen Vorstellungen orientiert ist. Ganzheitlich heißt für mich, dass die verschiedenen Finanzbereiche wie Investments und Versicherungslösungen im Einklang miteinander stehen und gut abgestimmt sind.

Woher kommt deine Motivation bzw. wie bist du zum Thema gekommen? Ich bin bereits ein paar Jahre in der Finanzbranche tätig. Mich hat vorher ziemlich gestört, dass die klassische Beratung oft eher ein Produktverkauf ist und dass sie zu wenig auf moralische Bedürfnisse des Kunden und die Basis künftiger Generationen eingeht. Ich habe dann meine Weiterbildung zum „Fachberater für Nachhaltiges Investment“ (ein von der UNESCO ausgezeichneter Lehrgang) absolviert und meine Beratung schwerpunktmäßig auf diese Anforderungen ausgerichtet.

Wie können Finanzen „nachhaltig“ sein? Was ist der Unterschied zu „konventionellen“ Angeboten? Im Unterschied zu konventionellen Finanzen stehen bei nachhaltiger Betrachtung ökologische, ethische und ökonomische Aspekte gleichwertig auf einer Stufe. Dabei achte ich besonders auf Sicherheit und Liquidität der Anlagen und der Versicherungslösungen.

Was kann man alles „nachhaltig“ machen? Versicherungen, Geldanlagen? Nachhaltig ist das, was mit dem Geld passiert. Das können also Geldanlagen, Direktinvestments und auch Versicherungslösungen (Riester usw.) sein. Allerdings gibt es auch bestimmte Bereiche, in denen es bisher leider gar nichts Grünes gibt.

Was genau ist denn daran eigentlich nachhaltig? Da gibt es keine klare, eindeutige Definition. Jeder Mensch hat andere Schwerpunkte, die ihm wichtig sind. Wie wichtig im Einzelfall die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit konkret ist, hängt stark vom Kunden ab. Nachhaltig sollte immer die Wirkung des Geldes sein: Also zum Beispiel kein Geld in Atomkraft oder Rüstungsunternehmen sondern in erneuerbare Energien und soziale Projekte.

Was gibt deinen Kunden die Garantie, dass ihr Geld auch nachhaltig angelegt wird? Zertifizierungen? Wie überprüfst du das selbst? Ich selbst habe nicht die Kapazitäten und Möglichkeiten, weltweit Projekte und Unternehmen zu analysieren und zu bewerten. Da muss ich mich auf  Anbieter verlassen, die das professionell machen: beispielsweise Fondsgesellschaften, Nachhaltigkeits-Agenturen oder bestimmte Zertifizierungsgesellschaften. Sie erheben Informationen über die jeweilige soziale und ökologische Performance von Unternehmen oder Staaten. Das ist dann eine erste Grundlage für meine Entscheidung. Außerdem recherchiere ich selbst so gut es geht.

Hast du den Eindruck, dass die Menschen sensibler werden, was ihre Finanzen betrifft? Wird mehr hinterfragt als früher? Eindeutig: Ja! Ich halte Vorträge zum Thema „Einführung in die ethisch-ökologische Kapitalanlage“ und bin auch sehr oft auf Messen und Wochenmärkten als Aussteller unterwegs. Dabei bemerke ich ein erhöhtes Interesse und ein stärkeres Bedürfnis nach nachhaltigen Finanzen. Auch die Finanzkrise und Umweltkatastrophen wie die BP-Ölpest im Golf von Mexiko, Dioxin in den Frühstückseiern und natürlich die Verstrahlung in Fukushima machen die Menschen noch sensibler und damit neugieriger auf nachhaltige Alternativen und Versicherungslösungen.

Ist das Thema ein wachsender Markt? Gibt es viele Berater, die ähnlich wie du arbeiten? Ich glaube das Thema ist nicht nur eine zeitweise Modeerscheinung, sondern ein wachsendes Bedürfnis und damit ein wachsender Markt. Es gibt zwar immer mehr Berater, die sich auf dieses Thema stürzen. Allerdings sind bisher nur wenige davon auch tatsächlich fachlich dafür ausgebildet. Leider ist da so mancher Trittbrettfahrer unterwegs. Die eigenen Moralvorstellungen stehen für mich am Anfang einer guten Beratung. Hier und da auf grüne Produkte hinzuweisen reicht da nicht.

Was ist Dir wichtiger: Profit oder Moral? Ich sehe darin keinen Widerspruch! Ich bin überzeugt, dass man das sehr gut miteinander kombinieren kann. Eine Triple-win-Situation für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft ist gerade langfristig sehr gut möglich. Ich glaube nicht daran, dass Menschen ihr Verhalten hinsichtlich einer besseren Welt verändern, wenn sie dabei ihr Geld verlieren. Ich berate meine Kunden entsprechend ihrer Ziele ernst und führe keinen Erhobenen-Zeigefinger-Vortrag und auch keinen Spendenaufruf durch. Mittlerweile man mit guten Dingen gutes Geld verdienen. Das macht meinen Job so schön. Daher mein Motto: Gute Rendite plus gutes Gewissen ergibt doppelten Gewinn!

Nenne die zwei wichtigsten Werte, an denen Du Deine Arbeit ausrichtest! Das wichtigste Prinzip ist, dass mir die Arbeit Spaß machen soll. Dazu gehört das Materielle und Immaterielle. Ich möchte Lebensenergie aus meiner Arbeit schöpfen. Außerdem ist mir Vertrauen wichtig. Kunden sollten sich auf mich verlassen können und ich möchte mich auch auf meine Kunden verlassen. Ich möchte jedem Kunden, Lieferanten oder späteren Mitarbeiter jederzeit in die Augen schauen können.

Wie ist das bei dir persönlich? Hast du deinen Lebensstil sehr verändert in den letzten Jahren? Welche Bereiche deines Lebens betrifft das, kaufst du z.B. im Bioladen ein? Eindeutig ja, insgesamt achte ich mehr auf eine Work-Life-Balance nach „grüneren“ und „sozialeren“ Kriterien. Auch meine Einkaufsgewohnheiten haben sich geändert und so beziehe ich jetzt „grünen“ Strom und „grünes“ Gas. Ich achte zum Beispiel mehr auf den regionalen Bezug meiner Lebensmittel und kaufe keine Erdbeeren aus Spanien im März. Ich lerne immer mehr Dienstleister und Einzelhandelsgeschäfte aus dem „grünen“ oder „sozialen“ Bereich kennen und erhalte ständig Informationen aus meinen nachhaltigen Netzwerken, die es mir ermöglichen, mich auch persönlich weiter zu entwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch! Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten bietet seine Internetseite.