Ich höre die Aussage sehr häufig: „Leider kann ich mir Bio-Lebensmittel nicht leisten, die sind einfach zu teuer!“. Und immer wieder frage ich mich: „Stimmt das wirklich? Oder ist es nur eine Ausrede? Was kann es sonst sein?“. Die Antwort, die ich mir selber gebe ist: Es geht, man kann sich auch mit wenig Geld „bio ernähren“, aber dazu bedarf es einer gewissen Umstellung! Würde ich einfach 1:1 die gleichen Artikel in Bioqualität kaufen, die ich vorher konventionell gekauft habe, so kann ich nicht umhin festzustellen, das ich dann mehr Geld ausgeben werde. Wieviel mehr, ist schwer zu sagen. Es hängt z.B. davon ab, welche Art von Produkten man miteinander vergleicht. Es wäre nicht fair, Bio-Produkte mit Aldi-Produkten zu vergleichen, da es hier in der Regel einen Qualitätsunterschied geben wird – nicht umsonst bieten die Discounter unglaublich günstige Artikel an. Natürlich ist es günstiger, künstliche Aromastoffe zu verarbeiten als echte Aromen. Das Bio-Produkte teurer sind, hängt von vielen Faktoren ab. Bio-Bauern gehen verantwortungsvoller mit der Natur und mit Tieren um. Sie haben einen viel höheren Arbeitsaufwand, weil sie z.B. auf das großzügige Spritzen von Chemikalien verzichten, ihre Felder nicht in Monokulturen ausgemergelt und Giftstoffe in Flüsse gelangen (deren Reinigungskosten der Steuerzahler übernimmt, so dass eigentlich diese Kosten auf den Preis konventioneller Produkte aufgeschlagen werden müssten). Ihre Tiere bekommen hochwertiges Futter, werden nicht präventiv mit Medikamenten vollgepumpt (die wir dann essen, z.B. Antibiotika), leben nicht unter so erbärmlichen Umständen und mit bedeutend mehr Platz artgerechter als ihre Artverwandten, die in Massentierhaltung grausam gehalten und getötet werden. Und so weiter, und so weiter. Es braucht nicht viel um zu verstehen, das so ein anderer, höherer Herstellungspreis zustande kommt. Möchte man schon Preisvergleiche anstellen, so sollte man Bio-Produkte mit qualitativ hochwertigen und möglichst naturbelassenen Produkten vergleichen, und da kosten dann meiner Erfahrung nach z.B. bei Kaiser’s so einige Produkte mehr als im Bioladen. Aber lassen wir die Vergleicherei – Bioprodukte sind aus gutem Grund teurer, besonders bei Fleisch macht sich das aus verschiedensten Gründen bemerkbar.

Interessant finde ich, dass ein typisch deutscher Spruch so geht: „Qualität hat seinen Preis“, oder auch „Was nichts kostet, ist nichts“, oder auch „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Bei Technikprodukten wird die Stiftung Warentest gekauft, oder sonst wie lange recherchiert, bevor der Preis-Leistungs-Sieger gekauft wird. In so vielen Bereichen des täglichen Lebens achtet der Verbraucher auf eine gewisse Mindestqualität, und ist gerne bereit, ein paar Euro mehr zu investieren. Doch bei Lebensmittel, und man betrachte das Wort näher, Lebensmittel = Mittel zum Leben, sind die meisten Deutschen nicht bereit, sich selbst eine bessere Qualität, und Umwelt und Tieren mehr Rücksicht, zu leisten. An Lebensmitteln wird gespart. Die deutschen Verbraucher geben für Lebensmittel anteilsmäßig (von ihrem Einkommen) mit am wenigsten von allen Europäern für Lebensmittel aus, und das obwohl Lebensmittel in Deutschland so billig sind wie nirgendwo sonst in Europa! DAS erstaunt mich. Und so geht es für mich nicht alleine um die Frage, OB ich es mir leisten kann, Bio-Produkte zu kaufen, sondern in erster Linie darum, welche Prioritäten ich setze, wie ich mein verfügbares Einkommen einsetze, wenn ich für Lebensmittel nur einen relativ kleinen Teil meines Einkommens ausgebe. Wenn jeder für sich mal ganz ehrlich hinterfragt, wofür er Geld ausgibt, und was davon WIRKLICH notwendig ist, so glaube ich, werden fast alle von uns Ausgabenposten haben, die man locker streichen, und stattdessen für bessere Lebensmittel ausgeben könnte. Raucht hier jemand? Ok, der war gemein. Aber braucht man wirklich unbedingt ein Auto? Oder soviele neue Turnschuhe? Oder muss ich Bücher immer kaufen, wenn ich sie auch in der Bücherei leihen kann? Da könnte man jetzt viele viele Beispiele finden. Am Ende geht es drum, welche Priorität ich dem Treibstoff meines Körpers, Lebensmitteln, einräume. Wie wichtig ist mir mein eigener Körper, meine Umwelt, Tiere? Wieviel ist mir das WERT?

Nun schieben wir aber mal diese Wertediskussion, die wir natürlich über alle Lebensbereiche ausdehnen könnten, mal beiseite und sagen wir mal rein hypothetisch, ich hätte nun mal einfach nicht mehr Geld für Lebensmittel zur Verfügung. Weil ich z.B. von Alg II (Hartz IV) leben muss. Wie könnte ich mir nun Bio-Lebensmittel leisten? Dieser Frage ist Rosa Wolff, die Autorin des Buches „Arm aber Bio“ auf den Grund gegangen – im Selbstversuch. Praktischerweise Journalistin, wurde Frau Wolff arbeitslos, und sah sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, lediglich den festgelegten Regelsatz zum Leben zur Verfügung zu haben. Zum Zeitpunkt des Versuches waren dieses 4,35 Euro pro Tag für Lebensmittel. Kann man mit sowenig Geld Bio einkaufen und sich gesund zu ernähren? Frau Wolff hat es versucht, und berichtet in einer Art Tagebuch sehr detailliert aber auch amüsant, was sie eingekauft und zubereitet hat, und zieht jeden Tag Bilanz. Ich will nicht zuviel verraten, aber soviel: Es war nicht einfach, aber Frau Wolff hat es geschafft. Es ist möglich.

Funktionieren tut das aber nur, wenn man seine Ernährung schon ein wenig umstellt. Fleisch ist da kaum noch drin, aber saisonales und regionales Gemüse z.B., so auch meine eigene Erfahrung, ist immer erschwinglich. Das man dabei gesünder lebt, wenn man weniger Fleisch und mehr Gemüse isst, ist ja auch ein schöner Nebeneffekt, von der verbesserten CO2-Bilanz etc. mal abgesehen. Frau Wolffs Buch „Arm aber Bio“ zeigt, dass auch Menschen mit geringem Einkommen, sich komplett von  Bio-Produkten ernähren können. Dazu gehört es dann aber auch, selber zu kochen, auf Convinience-Produkte zu verzichten, und nichts wegzuwerfen. Ich kann die Erfahrungen der Autorin bestätigen, und diverse Versuche, z.B. von Unis, bestätigen, dass Familien, die bewusster einkaufen, selbst mit Bio-Produkten günstiger einkaufen können als Familien, die konventionell „typisch“ einkaufen: Viel Fleisch, Großpackungen, von denen einiges weggeworfen wird usw.

Praktischerweise hat Frau Wolff im Anhang all ihre Gerichte, die sie sich in der Zeit des Selbstversuches zubereitet hat, detailliert aufgeführt, inklusive Preisangabe. Und keine Angst, das ist fast alles supereinfach zuzubereiten, und man braucht keine exotischen Zutaten, im Gegenteil. Einfach, günstig, lecker, gesund – und BIO. Ein empfehlenswertes Buch, nicht nur für Skeptiker und Alg 2-Bezieher! Inzwischen gibt es sogar von Frau Wolff ein komplettes Kochbuch. Alle Infos findet ihr hier.

Bestellen könnt ihr das Buch u.a. bei Amazon:
Arm aber Bio! Mit wenig Geld gesund, ökologisch und genussvoll speisen. Ein Selbstversuch

Und dazu gibt es auch noch ein Kochbuch:
Arm aber Bio! Das Kochbuch: Feine Öko-Küche für wenig Geld