Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt“, so lautet der Untertitel von Tanja Busse’s (u.a. „Die Einkaufsrevolution) letztem Buch, 2010 erschienen. In diesem führt sie den Leser an den „globalen Mittagstisch“, an dem Vertreter aller Länder gemeinsam speisen. Viele werden neben uns im Verlaufe der Mahlzeit tot umkippen, während andere sich mehr als satt essen dürfen. Dieses drastische Bild soll vor allem eines vor Augen führen: Wie ungerecht Lebensmittel auf diesem Planeten verteilt sind. Denn auf der einen Seite gibt es weltweit ca. 2 Milliarden Übergewichtige, auf der anderen Seite 1 Milliarde Hungernde – und das obwohl mehr Lebensmittel als jemals zuvor produziert werden: „Noch nie wurde soviel produziert, noch nie waren soviele Menschen so dick, und noch nie haben so viele gehungert“. Würde der globale Mittagstisch eine Stunde dauern, fielen 4.000 während des Essens verhungert von ihren Stühlen. Tanja Busse kommt zum Ergebnis: „Der Welthunger ist weniger eine Folge von Naturkatastrophen und korrupten Regierungen, sondern vor allem Teil unseres Weltwirtschaftssystems. Und das bedeutet: Wir essen den Hungernden den Teller leer“. Hunger ist also letztlich Teil eines Systems, von dem wir profitieren. 

Doch diese schreiende Ungerechtigkeit ist nicht alles, was Tanja Busse auf 336 Seiten anreißt. Es geht ihr auch um eine verloren gegangene Ernährungssouveränität, um Fehlernährung, um den fatalen Einsatz von Subventionen und um viele andere Dimensionen, die das Thema berühren. Bisweilen hat man beim Lesen den Eindruck, man würde irgendwie den roten Faden vermissen, doch am Ende fügen sich all diese Schauplätze zu einem Bild zusammen, das zu einem tieferen Verständnis für das komplexe Thema Ernährungsindustrie führt. Die Entscheidung, ein Produkt im Supermarkt zu kaufen ist nämlich eine weitreichende. Wie weitreichend, dürfte kaum jemanden wirklich klar sein. Sabine Weber vom Deutschlandfunk schrieb in einer Kritik zum Buch: „Die Entscheidung für ein Fertiggericht aus dem Supermarkt oder für regional erzeugte Lebensmittel aus ökologischem Anbau ist also längst eine politische und zugleich zutiefst moralische“. Besser kann man das kaum zusammenfassen.

Spannend, aufrüttelnd und höchstinformativ ist „Die Ernährungsdiktatur“, und daher sehr empfehlenswert!

Tanja Busse – Die Ernährungsdiktatur. Blessing Verlag, 336 Seiten, 16,95 Euro. Zu bestellen zum Beispiel hier