Die Zahl der veganen Restaurants in Berlin steigt stetig, Bio spielt in den meisten aber leider und erstaunlicherweise keine besonders große Rolle – zumeist aus Kostengründen nach Aussagen der Betreiber. Da ich mich seit einigen Monaten vegan ernähre, aber selbstverständlich weiterhin großen Wert auf Bioqualität lege, war ich gespannt, wie das bereits zwei mal innerhalb von Berlin umgezogene Restaurant La Mano Verde mir diesen Anspruch erfüllt. Um ein Fazit vorwegzunehmen: Eindrucksvoll.

Die Bandbreite veganer Restaurants reicht in Berlin von Fast Food (Vego, Yoyo, Yellow Sunshine) über bodenständig-kreativ (Viasko) bis hin zu leicht gehoben-pfiffig (Lucky Leek). Das La Mano Verde schließt die Lücke nach oben mit einem Gourmet-Restaurant der gehobenen Art, ohne preislich abzuheben.

Der Anspruch des LMV beginnt bereits beim Ambiente. Schick aber keineswegs überkandidelt präsentiert sich das Restaurant. Stil- und geschmackvoll, ein perfekter Ort für einen romantischen Abend. Eine Mischung aus Industrie- und edlen Elementen. Bei Kerzenlicht und angenehmer Lautstärke werden hier zum größten Teil Nicht-Veganer (ca. 70%, der Chef fragt sehr gerne nach) von wunderbar kreativen veganen Gerichten verführt – vieles davon sogar als Rohkostvariante. Essen und Getränke (100% bio) werden von einem perfekt funktionierendem, aufmerksam-charmanten und unaufdringlichen Serviceteam serviert. So hat es das LMV als erstes veganes Restaurant überhaupt in den Top800-Guide des Feinschmecker geschafft. Glückwunsch!

Hoher Bio-Einsatz
Ich war skeptisch, was den Bio-Einsatz im Restaurant betrifft, und habe mich von Restaurantführer, Koch und Kochbuchautor Jean-Christian Jury durch die halboffene Küche führen lassen, in die Schränke geschaut, und war hoch erfreut. Mindestens 95% der eingesetzten Waren sind in Bioqualität, bei der Qualität sollen angesichts des Anspruchs des LMV keinerlei Kompromisse gemacht werden.

„Ok, ich hab’s verstanden – alles super. Jetzt komm aber bitte mal endlich zum Essen!“ höre ich den ungeduldigen Leser aufstöhnen. Lassen wir ihn nicht länger leiden. Die Speisekarte umfasst ein Mittagsangebot, dass mit 10,50 Euro für die Kombi Vorspeise/Hauptmahlzeit oder Hauptmahlzeit/Dessert wirklich günstig eine handvoll rein pflanzlicher Speisen bietet. Die Abendkarte ist selbstverständlich deutlich größer. Suppen wie Limetten-Gazpacho (mit Avocado, Chili und Kokos), Vorspeisen wie Ravioli Blanc (Tomaten-Cashew-Füllung in zarten Kohlrabischeiben mit Birne und Ingwer-Rotkohlsalat) – fantastisch! – Hauptgerichte wie Canneloni non forno (Zucchini, Paprika, getrocknete Tomaten, Basilikum-Cashewcreme und Walnussbolognese), und Desserts wie der Triple Chocolate Fudge („der schokoladigste Schokokuchen aller Schokozeiten mit heißer Schokosauce“) oder der Rohkost-Cheese Cake – diese kleine beispielhafte Auswahl lässt die Kreativät der Küche erahnen, und ich hatte das große Vergnügen einen Querschnitt von insgesamt 9 Speisen probieren zu dürfen. Das klingt jetzt zu einfach, aber: es war durchweg unglaublich gut! Ich habe tatsächlich sehr selten so gut gegessen wie an diesem Abend im LMV. Nichts schmeckte durchschnittlich, nichts war lieblos präsentiert. Im Gegenteil, die Kreationen wurden liebevoll angerichtet mit wunderbaren Details, und von „Geschmackssache“ kann hier kaum noch gesprochen werden, zu bestechend gut waren sämtliche Speisen. Die dazu gereichten Weine waren ebenfalls ganz hervorragend.

Ich weiß das alles klingt wie ein Lobeslied, und das ist es sicherlich auch. Aber mit absoluter Berechtigung. Der Abend im LMV war kein bloßes Abendessen, es war ein Essenserlebnis der ganz besonderen Art in einer wunderbaren Atmosphäre. Von der ersten bis zur letzten Sekunde stimmte einfach alles, besser kann man das wohl kaum hinbekommen. Der bisherige Erfolg gibt dem Restaurant im übrigen recht: Es ist fast durchgehend ausgebucht, eine Reservierung solltet ihr unbedingt tätigen, sonst sieht es vermutlich schlecht aus.

Die Zukunft der gehobenen Gastronomie
Das LMV ist für mich nicht einfach ein weiteres, wenn auch besonders gutes, Restaurant. Es ist für mich auf gewisse Art und Weise die Zukunft der (gehobenen) Gastronomie. Vegan, viel Rohkost, fast komplett bio, fast alles hausgemacht, wunderbare Kreationen, tolle Atmosphäre, super Service. Selbst die Preise sind absolut angemessen mit 16-19 Euro für eine Hauptspeise und 6-8 Euro für ein Dessert. Gerade durch sein „Understatement“, indem das LMV nicht explizit darauf hinweist, dass es vegan ist (lediglich mit „gesunder Küche“ wird geworben), leistet es einen großen Beitrag für die Verbreitung der veganen Bio-Küche, und zwar über positive Verführung der besten Art. Nicht-Veganer kommen hier vielleicht zum ersten Mal mit veganer Küche in Berührung, und ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein einziger Gast seine möglicherweise bestehenden Vorurteile gegen eine vegane Ernährungweise bestätigt findet. Im Gegenteil: Er wird begeistert sein, wieder kommen und sich hoffentlich bald ein veganes Kochbuch kaufen (Zum Beispiel das wirklich gelungene vom Chefkoch und Restaurantleiter Jury, das „Vegan für Genießer“). Er wird feststellen dürfen, wie kreativ und lecker die vegane Küche sein kann, ohne das jemals das Gefühl des Verzichtes aufkommt.

Fazit
Wer einen wunderbaren romantischen Abend mit fantastischem Essen verbringen möchte, dem kann ich einen Besuch des LMV ohne jeden Zweifel ans Herz legen. Ein Bild blieb für mich an diesem Abend ganz besonders hängen: Die begeisterten Gesichter der Gäste, als ihr Essen serviert wurde, das Zögern diese wunderbare Kreation zu „zerstören“, begleitet von einem Soundtrack der „Ahs und Ohs“ nach den ersten Bissen. Vielen Dank für diesen Abend! Weitere Fotos findet ihr hier.

Wer übrigens noch nach weiteren Vegan-Adressen sucht, sollte sich auch meinen anderen Blog www.deutschlandistvegan.de mal anschauen.

La Mano Verde
Uhlandstrasse 181-183
10623 Berlin.

Geöffnet:
Dienstag bis Samstag Lunch 12.00 bis 15.30 Uhr, Dinner 18.00 bis 23.00 Uhr.

Für weitere Infos besucht bitte die Internetseite des La Mano Verde.