Heute starte ich mal mit einem Outing: Ich ernähre mich vegan. Als ich vor einigen Monaten beschloss, mich fortan rein pflanzlich ohne jegliche tierliche Bestandteile, also vegan zu ernähren, war ich doch teilweise über die Reaktionen von Freunden erstaunt: “Jetzt machst du mir Angst” oder “Jetzt übertreibst du aber wirklich” waren typische Reaktionen. Freundlicher waren immerhin Nachfragen wie “Und was kannst du jetzt überhaupt noch essen?”. Ich selber empfand aber die Umstellung auf eine vegane Ernährung keineswegs schwierig oder entbehrungsreich, und möchte daher auf diesem Wege hoffentlich das eine oder andere Vorurteil ausräumen, sensibilisieren und Interesse für eine vegane Ernährungsweise wecken.

Selbstverständlich werde ich auf jeglichen Dogmatismus oder erhobenen Zeigefinger verzichten, da dieses wenig hilfreich ist. Ich habe mich selbst bis vor wenigen Monaten noch “omnivor” (= Allesfresser) ernährt, und erhebe keinesfalls den Anspruch, die einzig richtige Ernährungsweise gefunden zu haben, doch sie scheint mir persönlich im Sinne der Tiere, Menschen, Umwelt und meiner eigenen Gesundheit die nachhaltigste.

Ich bin nicht esoterisch verklärt und halte grundsätzlich jeden kleinen Schritt in die vermeintlich richtige Richtung für gut, sprich auch eine Reduzierung des Konsums von tierlichen Produkten. Keiner verlangt von irgendwem, dass er alles gleich komplett ändert, denn nichts ist nunmal so schwer wie das Ändern von langjährigen Gewohnheiten wie der Ernährung. Ich persönlich wäre im Nachhinein halt froh, schon früher besser gewusst zu haben was mein Griff z.B. zum (Bio-)Fleisch im Kühlregal für Tiere, Umwelt, Menschen und Klima bedeutet. Ich hätte gerne eine solche Serie wie diese häppchenweise gelesen, und genau deshalb schreibe ich sie jetzt, in der Hoffnung dem einen oder anderen einen Denkanstoß zu geben.

Ich möchte den an diesen Gedanken Interessierten unter euch in einer kleinen Vegan-Serie einen Überblick über die für mich wichtigsten Argumente für eine vegane Ernährung bieten, interessante Blogs und Infoseiten zum Thema nennen, weiterführende Literatur- und Filmhinweise geben, Kochbücher- und Internetseiten sowie Apps anführen und euch zeigen wo man gut vegane Produkte einkaufen kann. Selbstverständlich darf ein Überblick über die Berliner vegane Gastronomieszene nicht fehlen, in der “Bio” in der Regel auch kein unbekanntes Wort ist.

Aber was bedeutet das für dieses Blog? Nun, ich werde weiterhin über Restaurants, Imbisse und Cafés berichten, in denen auch fleisch- oder fischhaltige Gerichte angeboten werden. Essen werde ich dort aber vegane Speisen. Ich denke das tut der Qualität dieses Bogs aber keinen Abbruch. Trotzdem gilt vieles, dass ich in dieser Serie anspreche leider auch für den Verzehr von tierlichen Bio-Produkten. Dazu später mehr.

Bevor ich mich mit den für mich wichtigen Grundlagen, die mich zu einer veganen Ernährungsweise bewegt haben, befasse, möchte ich bereits jetzt ein kleines Fazit voranstellen: Es macht mir wirklich Spass, mich vegan zu ernähren, und ich fühle mich sehr gut damit. Ich finde es überhaupt nicht schwierig, auch wenn es sicher hier und da ein (tierliches) Produkt gibt, dass man eben nicht einfach ersetzen kann – trotz aller veganen Schnitzel, Würstchen, Gyros usw. Im Gegenteil hat es mir noch nie mehr Spass gemacht, noch bewusster einzukaufen und zu kochen als jetzt, und ich bin fest davon überzeugt, dass ich diesen eingeschlagenen Weg mit großer Freude und Überzeugung lange gehen werde.

Warum dem so ist, möchte ich im Folgenden näher bringen. Dazu kommen wir um etwas Theorie nicht umhin, aber ich fasse mich möglichst kurz, da euch diese kleine Serie ja lediglich einen Einstieg ins Thema vermitteln soll. Natürlich gibt es eine Menge Webseiten zum Thema, ich finde diese aber oftmals überladen, und würde gerne mit dieser Reihe den Versuch eines möglichst logischen und „sanften“ Einstiegs wagen.

Definiton und Gründe für den Veganismus
Am Anfang steht üblicherweise eine Definition, in diesem Falle des Wortes “Veganismus”: Die ethisch motivierte Ablehnung jeglicher Nutzung von Tieren und Produkten (Duden). Das beinhaltet natürlich auch, keinerlei tierische Produkte wie Leder, Wolle oder Seide sowie unter Zuhilfenahme von Tierversuchen erstellten Produkten zu nutzen, streng genommen auch nicht in den Zoo oder Zirkus zu gehen. Abgesehen von der ethisch begründeten Motivation sind Menschen auch aus ökologischen, gesundheitlichen oder religiösen Gründen Veganer, und bei vielen beschränkt sich der gelebte Veganismus ausschließlich auf die Ernährung, was aber wohl auch der umfangreichste Aspekt ist.

Eine streng vegetarische Ernährungsweise ist gleich einer veganen Ernährung. Wer zwar kein Fleisch und Fisch isst, aber nicht auf Milchprodukte und Eier verzichtet, wird als Ovo-Lacto-Vegetarier bezeichnet. Wer bei tierlichen Produkten nur auf Milchprodukte zugreift, lebt lacto-vegetarisch oder ovo-vegetarisch (Eier). Wer nur Fisch zu sich nimmt, sonst aber auf tierliche Produkte verzichtet, wird als Pescetarier bezeichnet. Außerdem gibt es noch Pudding-Vegetarier (nur Süßigkeiten), und Vegetarier, die gelegentlich Fleisch essen, bezeichnet man schließlich als Flexitarier. Kompliziert, oder? Schade übrigens wenn gerade solche Labels dazu benutzt werden andere zu diffamieren oder sich selbst als “besser” darzustellen.

Was sind nun für mich die wichtigsten Argumente für eine vegane Ernährung? Im folgenden zunächst einmal kurz zusammengefasst, bevor es in den folgenden Artikeln dieser Reihe mehr dazu gibt.

1. Ethische Gründe (Tierrecht): Für mich sollen keine Tiere ausgebeutet, gequält oder getötet werden. Besonders schlimm ist die Massentierhaltung, aus der ca. 95% des Fleisches in deutschen Kühlregalen kommt. Aber auch Bio-Schweine werden nicht totgestreichelt. Schweine, Fische oder Hühner sind darüber hinaus durchaus intelligente Tiere mit komplexem Sozialverhalten. Und übrigens: Auch Milchprodukte und Eier sind problematisch für Tier und Mensch.

2. Ökologische Gründe: Massentierhaltung bringt erhebliche Umweltbelastungen mit sich, vom enormen Verbrauch an Ressourcen über die Zerstörung von Ökosystemen bis hin zur Verursachung extrem großer Klimaemissionen, denn der weltweite Fleischkonsum verursacht weitaus mehr Emissionen als der gesamte Verkehr weltweit.

3. Gesundheitliche Gründe: Entgegen bestehender Vorurteile kommen zahlreiche anerkannte Untersuchungen wie die China Study zum gleichen Ergebnis: Eine ausgewogene rein pflanzliche Ernährung scheint die gesündeste Lebensweise zu sein, eine vegane Ernährung vermindet Krankheitsrisiken in hohem Maße oder führt sogar zur Heilung von Krankheiten.

4. Welthunger: 1,6 Mrd. Menschen sind weltweit übergewichtig, während fast 1 Mrd. hungert. Für die Herstellung von 1 KG Rindfleisch wird 16 KG Getreide und ca. 20.000 Liter Wasser benötigt. Gibt es dort einen Zusammenhang? Ja, unser Fleischkonsum produziert Hunger.

Ich möchte diesen ersten Beitrag zur Vegan-Reihe mit 2 Buchempfehlungen schließen, die für mich persönlich der Einstieg in den Fleisch-Ausstieg erleichtert haben: “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer sowie “Anständig essen” von Karen Duve (hier meine Rezension). Diese gleichsam informativen wie auch hervorragend geschriebenen Bücher (was der Tatsache geschuldet sein dürfte dass beide Autoren zuvor Bestseller-Romane geschrieben hatten) haben mich und viele andere Menschen bestärkt, fortan kein Fleisch mehr essen zu wollen. Ich halte vor sie für hervorragende Einstiegsliteratur, da alles andere als trocken oder sensationslüstern geschrieben, sondern sachlich und trotzdem spannend.

Folgendes Interview mit Jonathan Safran Foer finde ich sehr sehenswert:

Auch Karen Duve wurde interviewt, und gibt preis, wie sie heute mit all ihrem Wissen ums Thema lebt:

Der witzige Button rechts oben im Artikel stammt übrigens von hier: www.veggie-love.de

Zum zweiten Teil dieser Serie geht es hier.