Mein vorgestriger Artikel, in dem ich meine Verärgerung über „Bio-Blender“ zum Ausdruck gab, stieß auf eine sehr große Resonanz. Verständlich, denn wer lässt sich schon gerne so veräppeln? Problematisch sind aber nicht nur falsche Angaben von Gastronomen, auch Konsumentenkritik, wie sie auf Internetportalen wie Qype geäußert wird, ist leider sehr häufig falsch. Wer mit Gastronomen redet, der hört häufig Klagen über solche Bewertungsseiten, die von Nutzern natürlich einerseits zur Weiterempfehlung aufgrund positiver Eindrücke genutzt werden können, im negativen Sinne aber eben auch zur Diffamierung. Und das passiert sogar häufiger mal im Auftrag oder direkt durch die Konkurrenz. Nachzuweisen ist das ganze natürlich schwer. Ich war z.B. erstaunt, als ich über eines meiner Lieblings-Fast Food Restaurants Frittiersalon bei Qype den Eintrag eines Nutzers las, der mitteilte: „ich muss mich ein bißchen wundern, dass das noch unter bio läuft, der laden ist weder zertifiziert, noch hat er bio. das ist doch ein merkwürdiger umgang mit der öffentlichkeit, solche methoden machen es den bios so schwer, das sind die schwarzen schafe der branche, das ist einfach nicht i.o. – 5 blitze !!!!!“. Leider kein Hinweis des Bewerters, wie er an diese Information kam, das wäre doch wichtig gewesen.

Ich habe mal genauer beim Frittiersalon nachgefragt, und bekam eine umfassende und schnelle Antwort (anders z.B. als bei supergood, wo offenbar generell nicht reagiert wird), die ich den Bloglesern hier gerne weitergebe:

BIO sind die Kartoffeln (das Hauptprodukt) immer und das ganze Jahr, Eier, Kräuter für die Soßen, Sprossen, Milch, NOW und Voelkl Getränke, Rohrzucker für div. Soßen, vegane Brat- und Currywurst, hoffentlich bald die Burger Brötchen (Testreihen laufen gerade), Zitronen, Limetten, Orangen und mehr.

Das Fleisch kommt so gut wie komplett von Neuland außer das Argentinische Rumpsteak. Konventionell ist das Gemüse; dafür aber wenn möglich regional, sowie das Argentinisches Rumpsteak und diverse fertige Saucen. Der Frittiersalon ist im übrigen seit ca. 3 Jahren bio-zertifiziert. Im Verlaufe der Zeit wurde beim Fleisch im Frittiersalon von Bio auf Neuland umgestellt (geringere Bio-Qualität zum kleineren Preis wollte man sich nicht leisten, viel höhere Verkaufspreise durch den Einsatz von hoher Bio-Qualität konnte man sich leider nicht leisten), bei den restlichen Zutaten ist der Bio-Anteil sogar gestiegen.

Zu Neuland-Fleisch an anderer Stelle mal ausführlicher etwas, jedenfalls ist Neuland zwar nicht Bio, aber die Anforderungen an die artgerechte Tierhaltung sind sogar zumeist höher als das EU-Bio-Siegel vorschreibt. „Alle unsere Tiere werden nach unseren strengen Richtlinien artgerecht gehalten. Sie haben Auslauf ins Freie, liegen auf Stroh, bekommen nur einheimische, gentechnisch nicht veränderte Futtermittel zu fressen und haben viel Tageslicht im Stall.“ – weitere Infos auf der Internetseite von Neuland.

Nun fragt der eine oder andere Leser sich sicherlich, warum schreiben dann nicht alle Gastronomen einfach bei allen Zutaten auf der Karte dazu, wobei es sich um Bio-Produkte handelt? Und schon sind wir beim nächsten umfangreichen Thema: Der Bio-Zertifizierung. Diese schreibt vor, dass es bei jedem Produkt, das als „Bio“ auf der Karte ausgelobt wird, zu entsprechenden Kontrollen seitens der Zertifizierungsstelle kommt. Viele Gastronomen verwenden zwar aus Überzeugung Bio-Produkte, finden aber dass der Aufwand der Protokollierung  den Nutzen, nämlich die Bezeichnung BIO auf der Karte zu haben, übersteigt. Das macht es dem Gast leider nicht leichter, dieser darf aber umgekehrt nicht immer davon ausgehen, dass zwangsläufig nur Bio drin ist, wenn Bio drauf steht. Letztlich hilft bei Unsicherheit nur zu Fragen, denn nur wenige Restaurants in Berlin sind wirklich zu 100% Bio-zertifiziert.

Ich kann einerseits verstehen, dass der Gast sich eine möglichst hohe Transparenz wünscht, finde es andererseits aber auch schade wenn weniger Bio eingesetzt wird oder zumindest dem Konsumenten nicht bewusst ist, dass er gerade Bio isst, weil dem Gastronomen der Zertifizierungsaufwand zu hoch ist. Die Frage stellt sich mir dann: Ist es nicht für den stärkeren Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der Gastronomie sogar kontraproduktiv, wenn der Zertifizierungsaufwand so hoch ist – andererseits aber so viele Betriebe dreist und ungestraft mit dem Bio-Hinweis werben und konventionelle Produkte verkaufen? Wird das überhaupt ausreichend kontrolliert? Offenbar ja nicht. Auf meinen Hinweis bezüglich der Eisdiele, die fälschlicherweise mit dem Bio-Siegel wirbt z.B. gab es keine Reaktion seitens der Meldestelle. Ein polarisierendes Thema wie ich finde, dem ich in nächster Zeit mal etwas intensiver nachgehen möchte. Ich werde über meine Erkenntnisse berichten. Freue mich sehr über Meinungen dazu, es lesen ja auch einige Bio-Gastronomen hier mit.