Na, auch schon mal ans Aussteigen gedacht? Also so richtig? Es gibt ein wachsendes Bedürfnis bei vielen Menschen, aus unsere Gesellschaft auszusteigen, einfacher zu leben, zu entschleunigen, auf Besitz weitgehend zu verzichten. Unabhängig zu sein. Dieser Ausstieg kann völlig unterschiedlich aussehen, vom Müll essenden Einsiedler bis zum Ökodorf: „Einen Sommer lang hat Jan Grossarth, Redakteur der F.A.Z., Aussteiger besucht und ihren Alltag geteilt. Bewundernd und verwundert beschreibt er seine Reise von Vorpommern bis Norditalien. Sie führt in ein streng geregeltes Öko-Dorf, zu einem freien Waldmenschen, zu Jesuiten und einem Informatiker, der sich von Abfällen ernährt. Jenseits der bürgerlichen Welt scheint manches sonderbar – nicht zuletzt die bürgerliche Welt selbst.“

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise an bisweilen skuril anmutende Orte mit vielen verrückten Menschen. So zumindest oftmals das vorschnelle Urteil, dass sich auch nicht immer revidiert, ehrlich gesagt. Dem Autor darf und soll man allerdings eine große Portion Respekt und Toleranz im Zusammentreffen mit den Menschen auf seiner Reise bescheinigen. Ein großer Teil der Leser wird sicherlich auch nach Lektüre des gut und unterhaltsam geschriebenen Buches kein geeignetes Ausstiegskonzeptes für sich gefunden haben (falls er mit solchen Gedanken spielt), aber das ist weder des Autor’s Anspruch, noch sonderlich wichtig. Viel wichtiger ist, dass das Buch einen zum Nachdenken anregt, Vorstellungen und Verhältnisse einmal zu hinterfragen. Und vielleicht hilft das dabei, den wichtigeren Part des Buchtitels zu erreichen: das Ankommen. Und das dürfte bei jedem genauso anders aussehen wie der Weg zwischen Aussteigen und Ankommen.

Ein wirklich lesenswertes Buch voller Romantik, Tragik und Anregungen, dass ich hiermit sehr gerne empfehle.